Erzählungen & Geschichten, Gedichte & Lieder...

...rund um Zimmerbach:



Der Spatzentannjäger

In den Adventsnächten kam der unheimliche Jäger oft mit vier Schimmeln unter wütendem Hundegebell und ohrzerreißendem Peitschengeknall bis vor die Tore Gmünds gefahren. In rasender Fahrt; beständig knallend, gings um die Stadt, und an jedem Tor schellte der Unhold. Und welche Streiche spielte er den nächtlichen Wanderern!

Da fährt ein Bauer um Mitternacht durch den gefürchteten Spatzentann. Plötzlich kommt hinter ihm ein Fuhrwerk in rasender Eile daher. "Hu, dax, dax, dax, hu dax!« gellt es durch die Schluchten. Zitternd weicht der Bauer aus und hält die schlotternden, schweiß bedeckten Pferde an. Da rasselt es an ihm vorbei, und er hört Pferdeschnauben und Hufschlag, und es knallt und bellt und heult, und doch sieht man weder Roß noch Wagen. Ein teuflisches Hohngelächter aus der Ferne verrät, daß der wilde Spatzentannjäger sein Unwesen getrieben hat. Dem einen und anderen Wanderer setzt der tückische Waldgeist eine Nebelkappe auf, und die so Angeführten kennen sich dann nirgends mehr aus, laufen oder fahren wie fremd durchs eigene Heimatdorf, vorbei am eigenen Hause, geraten auch auf Abwege und irren stundenlang umher. Freilich glauben manche Leute, daß die Nebelkappen, die man sich in der Stadt bei gutem Gerstensaft oder bei neuem Wein holte, zu solchen Vorkommnissen oft in näherem Zusammenhang gestanden hätten als der verrufene Waldgeist. Bei Lebzeiten scheint der gefürchtete Jäger ein höflicher Mann gewesen zu sein; denn oft begnügt er sich damit, denen, die in sein Revier kommen, die Kappe vom Kopf zu schlagen, die doch bei manchem Wäldler recht gut über den Ohren sitzt.



..andere erzählen:

Es kehrte einmal ein Zimmerbacher Bauer noch in später Abendstunde vom Viehmarkt in Gmünd nach Hause zurück. Wie er den Spatzentann abwärts schritt, hörte er plötzlich einen fürchterlichen Lärm. Ein Jäger auf schwarzem Roß kam angeritten. Er nahm einen großen Sack von der Schulter und schüttete ihn vor dem Bauern aus. Eine große Menge Hunde fiel heraus und wollte über den Mann herfallen. Dieser konnte eben noch beten: "Alle guten Geister loben ihren Meister." Das rettete ihn. Die Hunde konnten nun nicht mehr an ihn herankommen. Voll Wut jagte der Jäger weiter und hetzte fortwährend seine Hunde: Hundex! Dex! Dex!

Einem anderen Bauern hatte der Geist auch einmal übel mitgespielt. Der Mann kam von Pfersbach herunter, wohin er ein paar Schweine verkauft hatte. Wie er nun tief in Gedanken an die Stelle kam, wo die alte Straße wieder etwas ansteigt, hörte er plötzlich einen langgezogenen Pfiff durch den Wald gehen. Erschrocken fuhr der Bauer aus seinen Träumen auf. Da sah er, nur wenige Schritte von ihm entfernt, einen Jäger in altertümlicher Kleidung an einem Baum lehnen. Schnell bekreuzte sich der Bauer und eilte dem Tal zu. Der Jäger aber sprang über den Straßengraben. Wie er aber seine Füße auf die Straße aufsetzte, verwandelte er sich in einen Hund, der den Bauer fürchterlich anbellte. Da aber dieser sich fortwährend bekreuzte, konnte ihn der Hund nicht packen. Wütend bellend sprang er in den Wald hinein und verschwand zwischen den Bäumen. Erleichtert atmete der Bauer auf. Da hörte er aber auf einmal ein lautes Miauen neben sich, und bevor er die geringste Bewegung ausführen konnte, sprang ihm eine Katze auf den Rücken. Sie zerkratzte ihn unter fürchterlichem Schreien das ganze Gesicht und war durch nichts herunterzubringen. Der Bauer hatte alle Mühe, seine Augen zu schützen.
Zum Glück war er ganz in der Nähe der Amandusmühle. Als das Lichtlein aus der Mahlstube in den Wald hereinblitzte, sprang die Katze mit einem durchdringenden Schrei vom Rücken des zu Tode Geängstigten herunter. Gleich darauf hörte der Bauer im Walde rufen: Huidex! Huidex! Dex! Dex! Als der Bauer die Sache erzählte, lachte man ihn aus. Kaum aber vergingen 14 Tage, da kam ein Knecht ebenso zerschunden nach Hause zurück und erzählte, daß auch ihm eine Katze auf den Rücken gesprungen sei. Und so geschah es in jenem Jahr noch mehreren Leuten, so daß schließlich sich niemand mehr bei Nacht in den Spatzentann hineinwagte.



Der Spatzentanngeist

...auch erzählt man:

In Alfdorf lebte vor vielen Jahren einmal ein Graf. Der schien bloß auf der Welt zu sein, um die Leute zu plagen. Tage-, ja wochenlang mußten ihm die Bauern Treiberdienste leisten. Wenn einer nur im geringsten darüber murrte, ließ ihn der Graf an einen Baum binden und blutig peitschen. Gingen die Bauern am Sonntag in die Kirche, so ließ er sie oft durch seine Knechte holen und in den Wald hinaus jagen. Dort mußten sie entweder Holz machen oder ihm bei der Jagd helfen. Zeigte sich kein Wild, so mußten die Bauern zur Strafe auf allen Vieren durch den Wald springen. Der Graf hetzte dann die Hunde auf sie. Mancher von den Bauern wurde bei diesem unsinnigen Vergnügen in Stücke gerissen.

Eines sonntags in der Frühe ging der Graf wieder auf die Jagd. Nicht weit von der Lein entfernt begegnete ihm ein altes Weiblein, das zur Kirche wollte. Nun konnte der Graf die Kirchgänger ja überhaupt nicht leiden; noch mehr aber ärgerte es ihn, daß die alte Frau ihm über den Weg lief. Das, glaubte er, bedeute für ihn auf der Jagd Unglück. Voll Zorn hetzte er die Hunde auf das Weiblein. Diese rissen der Unglücklichen das Fleisch in Fetzen vom Leib. Blutüberströmt sank die Frau zur Erde. Der Graf aber gab seinem Pferd die Sporen und setzte voll übermut über die Frau hinweg. Da richtete sich diese mit ihrer letzten Kraft noch einmal zur Höhe und rief: "Sei verflucht, du Grausamer! Und weil du mit niemanden Erbarmen hattest, so möge auch unser Herrgott mit dir kein Erbarmen haben und deinen Geist unstet umherirren lassen!" Voll Wut kehrte sich der Graf um, zog seine Reitpeitsche heraus und schlug auf die Frau ein, bis sie leblos am Boden lag. Da scheute aber plötzlich sein Pferd und warf ihn so gegen einen Baum, dass ihm der Schädel vollständig eingedrückt wurde. Augenblicklich war er tot. Seit dieser Zeit erscheint der Geist im Spatzentann. Er hat immer sechs Pferde und sieben Hunde bei sich. Dann jagt er in wildem Galopp durch den Wald. Weithin hört man sein Fluchen und Lästern, sowie das Gekläff seiner Hunde. Bis an die Häuser von Gmünd geht die wilde Jagd. Jede Nacht muß er mit seinem Pferd einmal über die Stelle setzen, wo seine Hunde die Frau zerfleischt haben.



Der Schreck vom Hägelesbusch

Unheimlich geht es auch beim Hägelesbusch zu. Das ist die Stelle, wo die große Linde an der Straße von Zimmerbach nach Durlangen steht.

Da kehrte einmal eine Näherin von Durlangen sehr spät nach Zimmerbach zurück. Beim Hägelesbusch sah sie einen Hund sitzen, der so groB wie ein Faß war. Seine Augen drehten sich wie Feuerräder im Kreise herum. Da die Näherin aber eine reine Jungfrau war, konnte ihr das fürchterliche Tier nichts anhaben. Auch viele andere Leute haben den unheimlichen Hund schon beim Hägelesbusch sitzen sehen.

Einmal ging eine ganze Gesellschaft von einer Hochzeit In Durlangen nach Zimmerbach zurück. Lachend und scherzend zogen sie die Straße dahin. Plötzlich aber verstummten alle. Beim Hägelesbusch sahen sie eine glühende Kugel, die langsam um die Linde rollte. Entsetzen packte die Leute. Alle rannten nach Durlangen zurück. Keiner war mehr zu bewegen, in selbiger Nacht nach Zimmerbach zurück zukehren. Doch sind diese Sachen schon sehr lange her.



Der stumme Wanderer

Auch in Waldenmaiers Wald (zwischen den Straßen nach Zimmerbach und Spraitbach) ist es nicht ganz geheuer. Wenn man in früheren Zeiten den Wald hinaufging, sah man plötzlich einen Mann in einem weiten Mantel neben sich. Er lief fortwährend mit, sprach aber kein Wort, tat auch niemand etwas zu leide. Trat man aus dem Wald heraus, so verschwand er plötzlich mit einem tiefen Seufzer.

Ein Knecht Waldenmaiers erlebte im selben Wald auch einmal eine unheimliche Geschichte. Er fuhr noch in später Nacht mit zwei Ochsen den Wald hinauf. Da wurden plötzlich die Tiere unruhig und wollten davon rennen. Mit Mühe konnte sie der Knecht aufhalten. Wie er aber um sich sah, stand ein Mädchen neben ihm. Die Strahlen des Mondes gingen ungehindert durch deren Leib hindurch, sonst aber hatte es nichts Sonderbares an sich. Beherzt packte er das Mädchen bei den Händen. Diese waren kalt wie der Tod. Da ließ er entsetzt die Gestalt wieder los. Mit leichten Schritten sprang das Mädchen in den Wald hinein und verschwand lachend. Die Ochsen wollten nun keinen Schritt mehr weiter gehen. Er musste alle Mühe anwenden, sie endlich aus dem Wald herauszubekommen. Ganz in Schweiß gebadet kamen der Knecht und die Tiere zu Hause an.



Die Frau ohne Kopf

Überhaupt scheinen alle Wege um Zimmerbach herum ziemlich unsicher zu sein. Eines Abends ging ein Bauer von Hertighofen (bei Zimmerbach) nach Spraitbach. Da sah er plötzlich ein Weib neben sich, das ohne Kopf war. Er konnte machen, was er wollte, die Gestalt wich nicht mehr von seiner Seite. Erst am Eingang von Spraitbach bog sie vom Weg ab und ging quer über die Felder.



Der Bauer

Bekanntlich bekommen in gewissen Nächten die Tiere die Sprache wieder, die sie verloren haben, als Gott den Fluch über die Erde und dem Sündenfall aussprach. Denn sollen sie zuweilen die Zukunft enthüllen können.

Voll Vorwitz ging einmal - vor langer, langer Zeit - ein Bauer in der Osternacht um Mitternacht in den Stall, um die Tiere zu belauschen. Da sprachen die Ochsen zu ihm: Bauer, wir führen dich in den nächsten Tagen auf den Friedhof hinaus. Da stand der Bauer in aller Frühe auf und verkaufte, um das Unglück zu verhüten, die Ochsen auf einen entfernten Hof. Gleich nach den Feiertagen trieb er sie weg. Noch war er nicht weit gekommen, da scheuten die Tiere ohne Ursache. Der Bauer kam zu Fall und die Ochsen schleppten ihn zu Tode. Als er zwei Tege darauf begraben wurde, zogen die 0chsen den Wagen, worauf der Tote lag.



Der Platterer

Auch im Wald zwischen Zimmerbach und Spraitbach geht ein Geist. Er heißt Platterer. Oft hört man ihn in tiefer Nacht laut schreien. Wer dann gerade unterwegs ist, beeilt sich, aus der Nähe des unheimlichen Gesellen zu kommen, denn es ist ihm nicht zu trauen. Ein Bauernbursche aus Zimmerbach, der ziemlich viel getrunken hatte, kam einmal nachts durch diesen Wald. In seinem Übermut schrie er laut: "Platterer! Platterer komm!" Plötzlich stand eine unheimlich schwarze Gestalt neben ihm, packte ihn ohne alle Umstände und warf ihn, als ob er ein leichter Kieselstein wäre, über alle Bäume hinweg in den Bach hinunter. Im kalten Wasser wurde der Bursche plötzlich nüchtern. Er konnte sich kaum mehr erheben, so schmerzte ihn sein ganzer Körper von dem Fall. Mühsam schleppte er sich aus dem Bachbette heraus. Er konnte aber während der ganzen Nacht den Weg nach Hause nicht mehr finden, obwohl er nur wenige Minuten von Zimmerbach entfernt war, und jeden Baum und jede Wiese aufs genaueste kannte. Erst als die Hähne den Tag verkündeten, wich der Bann von ihm. Halbtot kam er in Zimmerbach an. Er soll niemals wieder den Platterer herausgefordert haben.



Der Sprösser

In demselben Wald befindet sich ein zweiter Geist. Er tut aber den Menschen nichts, sondern streift nur ruhelos durch die Gebüsche. Dieser zweite Geist ist der Sprösser. Dieser ging vor alter Zeit mit seinem Freund Burlibuks in den Wald hinaus. Dort bekamen die beiden Streit. Sprösser nahm einen großen Stein und schlug seinem Freund Burlibuks den Schädel ein. Zur Strafe muß er nun so lange im Wald umgehen, bis ihn einer erlöst. Aber niemend weiß, wie es anzufangen ist und Sprösser darf es nicht sagen. So ist also wenig Aussicht vorhanden, dass er in absehbarer Zeit von seinem ruhelosen Leben befreit wird.



Das Phantom

Ein Bauer von Zimmerbach heiratete einmal nach Herlikofen hinüber. Da klopfte in tiefer Nacht sein früherer Nachbar aus Zimmerbach an sein Fenster und bat um Vorspann. Er erzählte, er sei mit seinem Fuhrwerk stehen geblieben und komme nicht mehr weiter. Wohl wunderte sich der Bauer, was wohl der Zimmerbacher in der Herlikofer Gegend zu suchen habe. Er wollte aber seinem Landsmann die Bitte nicht abschlagen und schickte seinen Knecht in den Stall, die Ochsen zu holen. Wie nun der Knecht auf die Straße kam, war weder von einem Fuhrwerk, noch von einem Bauern etwas zu sehen, so dass der Knecht die Ochsen wieder in den Stall stellen konnte. Als nach einigen Tagen der Herlikofer nach Zimmerbach kam, machte er seinem Nachbarn darüber Vorhalt. Doch dieser wußte von der ganzen Sache nichts und konnte auch nachweisen, dass er an diesem Tage nicht aus dem Ort hinausgekommen war. Dem Herlikofer Bauern soll die Geschichte mit dem Vorspann übrigens noch öfters vorgekommen sein.



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